Im Herbst 2023 stand hier ein Artikel, der ChatGPT als Revolution der Mensch-Maschine-Kommunikation feierte. Der Text war voller Zukunftsversprechen und ehrlich gesagt selbst ein Stück weit von der Maschine geschrieben. Drei Jahre später ist es Zeit für einen Rückblick. Was aus dem Hype geworden ist, was sich davon im Alltag bewährt hat und wie KI heute bei mir zu Hause und in meinen Projekten tatsächlich läuft.
Wo wir 2023 standen
ChatGPT ging Ende November 2022 online und hatte innerhalb von zwei Monaten über hundert Millionen Nutzer. Das hatte vorher kein Dienst geschafft. Im Frühjahr 2023 folgte GPT-4, plötzlich konnte das Ding Programmieraufgaben lösen, Texte in jedem Stil verfassen und in Prüfungen bestehen. Die Reaktionen schwankten zwischen Begeisterung und der Sorge, dass halbe Berufsgruppen überflüssig würden.
Der damalige Artikel listete brav die Anwendungsfelder auf, Kundenservice, Content-Erstellung, Programmierung, Bildung. Das war nicht falsch, aber es war die Perspektive von jemandem, der das Werkzeug gerade erst in der Hand hielt und noch nicht wusste, wofür es wirklich taugt.
Was seitdem passiert ist
Die kurze Version ist, dass aus einem Chatfenster ein ganzes Ökosystem geworden ist.
- OpenAI ist nicht mehr allein. Anthropic mit Claude, Google mit Gemini und eine Reihe offener Modelle wie Llama, Mistral oder DeepSeek haben den Markt in Bewegung gebracht. Die Modelle sind heute austauschbarer, als die Werbung es gerne hätte.
- Die Modelle sehen, hören und sprechen. Bilder analysieren, Sprache in Echtzeit verstehen und antworten, das gehört zur Grundausstattung.
- Aus Chatbots wurden Agenten. Statt eine Antwort zu liefern, arbeiten die Systeme heute selbstständig durch Aufgaben, lesen Dateien, führen Befehle aus, prüfen ihr eigenes Ergebnis und korrigieren nach. Für Entwickler ist das der eigentliche Sprung.
- Modelle laufen lokal. Mit Werkzeugen wie Ollama läuft ein brauchbares Sprachmodell auf einem Rechner mit ordentlicher Grafikkarte, ohne dass Daten das Haus verlassen.
- Die Grenzen sind geblieben. Modelle erfinden weiterhin Fakten, wenn sie nichts wissen, und klingen dabei genauso überzeugend wie bei richtigen Antworten. Wer das nicht im Hinterkopf behält, hat ein Problem.
Wie ich KI heute wirklich nutze
Der größte Unterschied zu 2023 ist, dass KI bei mir nicht mehr im Browser-Tab stattfindet, sondern in den Werkzeugen, mit denen ich ohnehin arbeite.
Das CMS entsteht mit Claude Code und Codex
Das ITSWEBER CMS, mit dem auch diese Seite läuft, habe ich zu großen Teilen zusammen mit KI-Coding-Agenten gebaut, aktuell vor allem mit Claude Code und Codex. Das läuft nicht so, dass ich einen Satz eintippe und ein fertiges System herausfällt. Ich beschreibe, was ich will, der Agent liest den bestehenden Code, schlägt einen Plan vor, setzt ihn um und testet. Ich prüfe, verwerfe, lasse nachbessern. Für einen Allrounder, der nicht hauptberuflich programmiert, ist das der Unterschied zwischen einem Projekt, das man irgendwann mal anfängt, und einem, das seit Version 1.0 laufend weiterwächst.
Was dabei gleich geblieben ist, ist die Verantwortung. Der Agent schreibt den Code, aber ich muss verstehen, was er tut. Ohne eigenes Grundverständnis produziert man mit diesen Werkzeugen schnell viel, das keiner mehr durchblickt.
Ein eigener Sprachassistent im Haus
Das zweite Feld ist das Smart Home. Die klassischen Sprachassistenten scheitern an allem, was nicht exakt dem eingeübten Befehl entspricht. Inzwischen läuft bei uns Hermes, ein eigener Voice Agent auf einer virtuellen Maschine im Homelab, angebunden an Home Assistant. Man spricht ihn an, er versteht auch krumme Formulierungen und schaltet, was gemeint ist, statt an einem festen Befehlssatz zu scheitern. Er beantwortet Fragen zum Zustand des Hauses und erreicht die Familie zusätzlich über Discord. Das ist genau die Art von Mensch-Maschine-Kommunikation, die der alte Artikel versprochen hat, nur eben selbst gehostet und mit Kontrolle darüber, was wohin geschickt wird.
Und der Rest
Recherche, Zusammenfassungen, das Gegenlesen von Texten, Datenblätter durchforsten, ein Skript für eine wiederkehrende Aufgabe. Das sind die kleinen Dinge, die zusammen den Alltag verändert haben. Nicht spektakulär, aber jeden Tag.
Was vom Hype übrig ist
Die Vorstellung, dass KI ganze Berufe von heute auf morgen ersetzt, hat sich so nicht bewahrheitet. Verändert hat sie trotzdem fast alles, was mit Text und Code zu tun hat. Der Unterschied zu 2023 liegt in der Ernüchterung, und die ist gesund. Die Werkzeuge sind gut, wenn man weiß, was man von ihnen will, und schlecht, wenn man ihnen blind vertraut. Das galt schon damals, nur hat es damals kaum jemand gesagt.
Fazit
ChatGPT hat 2022 eine Tür aufgestoßen, durch die inzwischen eine ganze Branche marschiert ist. Für mich ist aus der Faszination von damals ein Werkzeugkasten geworden, der mein CMS weiterbringt und mein Haus auf Zuruf steuert. Die Revolution aus dem alten Titel ist tatsächlich passiert, nur leiser und praktischer, als es sich 2023 angehört hat.
