Im Herbst 2023 hat YouTube angefangen, Werbeblocker weltweit aktiv zu bekämpfen. Erst ein Hinweis, dann ein Countdown, nach drei Videos war der Player gesperrt. Dieser Artikel ist damals mitten in der Aufregung entstanden. Drei Jahre später lohnt sich ein nüchterner Blick darauf, was aus dem Konflikt geworden ist, welche Optionen du heute hast und warum der Blocker auf DNS-Ebene hier nicht weiterhilft.
Was 2023 passiert ist
YouTube hatte Werbeblocker jahrelang toleriert. Im Oktober 2023 änderte sich das. Nutzer mit AdBlock Plus, AdBlock und ähnlichen Erweiterungen bekamen beim Start eines Videos eine Einblendung mit der Aufforderung, den Blocker zu deaktivieren oder YouTube Premium abzuschließen. Wer den Hinweis ignorierte, sah beim dritten Video nur noch eine Sperre. Die Botschaft war eindeutig. Werbung schauen oder zahlen.
Die Reaktion der Community kam prompt. Die Entwickler der Filterlisten passten ihre Regeln teils mehrmals täglich an, YouTube änderte den Erkennungscode im gleichen Tempo. Das Katz-und-Maus-Spiel lief wochenlang, und uBlock Origin war die Erweiterung, die am zuverlässigsten mithielt. Genau das stand auch im ursprünglichen Artikel, und zumindest auf Firefox stimmt es bis heute.
Was seitdem passiert ist
Der Konflikt ist nie zu Ende gegangen, er hat nur die Form gewechselt. Ein paar Entwicklungen sind für die Einordnung wichtig.
Chrome hat uBlock Origin ausgesperrt
Google hat 2024 und 2025 in Chrome die alte Erweiterungsschnittstelle Manifest V2 abgeschaltet. uBlock Origin setzt auf genau diese Schnittstelle und läuft in Chrome deshalb nicht mehr. Der Nachfolger uBlock Origin Lite nutzt die neue Schnittstelle Manifest V3, kann aber weniger, weil Google die Möglichkeiten für Filter bewusst beschnitten hat. Für YouTube reicht die Lite-Version oft nicht. Wer den vollen uBlock Origin will, braucht Firefox oder einen Browser, der Manifest V2 weiter unterstützt.
YouTube experimentiert mit serverseitiger Werbung
Seit 2024 testet YouTube, Werbung direkt in den Videostream einzubetten, statt sie als separaten Clip vom Werbeserver zu laden. Für einen Blocker sieht so ein Stream aus wie das Video selbst, und es gibt keine Domain mehr, die man sperren könnte. Das Verfahren läuft nicht überall und nicht dauerhaft, aber es zeigt, wohin die Reise geht. Zusätzlich hat YouTube die Geschwindigkeit des Players bei erkannten Blockern zeitweise gedrosselt und Nutzer ohne Werbung länger laden lassen.
Die Preise sind gestiegen
YouTube Premium kostet in Deutschland seit der Erhöhung im Sommer 2026 für eine Einzelperson 14,99 Euro im Monat, vorher waren es 12,99 Euro. Der Familientarif liegt bei 27,99 Euro, das Studentenabo bei 8,99 Euro. Dazu kommt Premium Lite, das es seit 2025 gibt und das jetzt 7,99 Euro statt 5,99 Euro kostet. Es entfernt die meisten Anzeigen bei Videos und enthält seit Februar 2026 auch Hintergrundwiedergabe und Downloads, aber weiterhin kein YouTube Music. Preise ändern sich häufig, das hier ist der Stand von September 2026 nach Techbook.
Welche Optionen du heute hast
YouTube Premium oder Premium Lite
Die einfachste Lösung ist die, die YouTube selbst anbietet. Wer täglich viele Videos schaut und den Streit leid ist, zahlt und hat Ruhe, auf allen Geräten, inklusive Smart-TV und Handy-App. Bei Premium Lite lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte, denn nicht alle Werbeformen sind ausgeschlossen.
uBlock Origin auf dem Desktop
Auf Firefox ist uBlock Origin weiterhin der Werbeblocker, der bei YouTube am zuverlässigsten funktioniert. Die Installation ist ein Klick im Add-on-Store, danach läuft die Erweiterung mit ihren Standardlisten. Wichtig ist, dass du die Filterlisten aktuell hältst. In den Einstellungen unter Filterlisten gibt es dafür den Button zum Aktualisieren, und wenn YouTube wieder eine neue Runde einläutet, ist genau das der erste Schritt.
uBlock Origin ist dabei mehr als ein Werbeblocker. Es blockt Tracker, beschleunigt Seiten spürbar und lässt sich bis ins Detail anpassen. Der Quellcode ist offen und liegt auf GitHub. Verwechsle es nicht mit dem ähnlich klingenden uBlock ohne Origin, das ist ein anderes Projekt.
Fairerweise gehört dazu, dass YouTube die Nutzung von Werbeblockern in seinen Nutzungsbedingungen untersagt. Strafrechtlich relevant ist das nicht, aber YouTube darf den Player sperren und tut das gelegentlich auch. Wer blockt, muss mit den Unterbrechungen leben.
Auf dem Fernseher und dem Handy
In der offiziellen App gibt es keine Möglichkeit, Werbung zu blockieren, und ein DNS-Filter wie Pi-hole oder AdGuard Home hilft hier nicht. YouTube liefert Werbung von denselben Domains wie die Videos, eine Sperre würde beides treffen. Für Android-TV-Geräte existieren alternative Apps von Drittanbietern wie SmartTube, die Werbung ausblenden. Sie stehen nicht im offiziellen Store, verstoßen gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube und können jederzeit aufhören zu funktionieren. Ich erwähne sie der Vollständigkeit halber, eine Anleitung gibt es hier nicht.
Wie ich es halte
Am Desktop nutze ich weiterhin uBlock Origin, und das funktioniert nach wie vor. Für den Fernseher und die Geräte der Familie habe ich einen anderen Weg gewählt und hoste mit ITSWEBER Play eine eigene Video-Plattform für die Inhalte, die bei uns immer wieder laufen. Das ersetzt YouTube nicht, nimmt ihm aber einen Teil der Bildschirmzeit.
Fazit
Der Streit zwischen YouTube und Werbeblockern ist 2026 nicht entschieden, er ist Alltag geworden. YouTube dreht an der Erkennung und an serverseitiger Werbung, die Filterlisten ziehen nach, Chrome ist als Plattform für vollwertige Blocker ausgefallen. Wer werbefrei schauen will, hat im Grunde zwei ehrliche Optionen. Entweder ein Abo, das auf allen Geräten funktioniert, oder uBlock Origin auf Firefox am Desktop mit der Bereitschaft, gelegentlich die Filterlisten zu aktualisieren. Alles dazwischen ist Bastelei mit Ablaufdatum.
